Förderung von Schülern mit schwerer Behinderung

Fast ein Drittel unserer Schüler gilt als schwerbehindert. Aufgrund dieser stetig gestiegenen Schülerzahlen ist uns die Notwendigkeit noch stärker bewusst geworden, hier die Angebotsstruktur gezielter auszubauen. Schüler mit schwerer geistiger Behinderung werden an unserer Schule in heterogenen Klassen unterrichtet, um ein gegenseitiges Profitieren der Schüler voneinander zu gewährleisten. Daneben existieren Situationen der Einzelförderung sowie ein Therapieangebot, welches Logopädie, Krankengymnastik und Autismustherapie umfasst.

Um den gemeinten Personenkreis näher zu beschreiben, orientieren wir uns an Andreas Fröhlich, der statt einer Negativdefinition die besondere Bedürfnislage der genannten Personengruppe beschreibt. Demnach benötigen Schüler mit schwerer geistiger Behinderung

  • „körperliche Nähe, um andere Menschen wahrnehmen zu können
  • andere Menschen, die ihnen die Umwelt auf einfachste Weise nahe bringen
  • andere Menschen, die ihnen Fortbewegung und Lageveränderungen ermöglichen
  • andere Menschen, die sie auch ohne Sprache verstehen und ihnen kommunikative Angebote machen
  • andere Menschen, die sie zuverlässig versorgen und pflegen.“ (A. Fröhlich in ZfH 3/98, S. 97)

Aus dieser Bedürfnislage geht hervor, dass die Förderung individuell und ganzheitlich sein sollte. Sie kann nur auf dem Fundament von körperlichem und seelischem Wohlbefinden erfolgen. Erst wenn die sogenannten Grund- oder Vitalbedürfnisse gesichert sind, können weitere Lernschritte angebahnt werden. Dies soll folgendes Schaubild verdeutlichen:

 

Lernebenen in ihrer existentiellen Bedeutsamkeit


(nach: Fischer, Mertes, P. (Hrsg..): Unterrichtsplanung in der Schule für Geistigbehinderte. Dortmund: Verlag modernes lernen 1990, S. 89)

Die Arbeitsgruppe Förderpflege hat seit dem Schuljahr 2000/2001 ein hauseigenes Konzept zur Förderpflege entwickelt, das jeder Klasse zur Verfügung gestellt wurde. Anhand des Konzeptes wird deutlich, welchen Stellenwert die Pflegemaßnahmen im Unterrichtsalltag der Schüler mit schwersten Behinderungen einnehmen. „(...) Denn Pflege ist keine Routinearbeit, sondern im Sinne des Konzeptes eine qualifizierte Fördermaßnahme, in der viele Ziele umgesetzt werden können und sollen.“. In diesem Zusammenhang wurden die sanitären Räume der Schule begutachtet und Verbesserungsvorschläge erarbeitet, die nun umgesetzt wurden. So wurden Snoezelenräume eingerichtet. Besonders hervorzuheben sind jedoch sicher die Förderräume und das Förderpflegekonzept, speziell für Schülerinnen und Schüler mit einer schweren Behinderung und den zugehörigen Förderpflegeraum auf dem Flur der Unterstufe.

Im Schuljahr 2003/2004 überarbeitete die Arbeitsgruppe die Zeugnisformulare für schwerstbehinderte Schüler. Die Zeugnisse wurden zum Ende des Schuljahres 2003/2004 erstmals in die Praxis umgesetzt und daraufhin evaluiert, so dass nun eine verbindliche Struktur für die Zeugnisse festgelegt wurde.

Weiterhin haben wir uns zur Aufgabe gestellt, Hilfestellungen für das Trink- und Esstraining bei schwerstbehinderten Schülern zu geben. In den Schuljahren 2004/2005 und 2005/2006 fand eine entsprechende internen Fortbildung statt. Des Weiteren wurde z.B Literatur zur Verfügung gestellt. Auch im Bereich der Kinesthetik fanden entsprechende Fortbidlungen statt.

 

Hausunterricht

Ein besonderes Angebot unserer Schule ist der Hausunterricht. Schüler mit einer komplexen Mehrfachbehinderung, die vorübergehend nicht in der Lage sind, die Förderschule zu besuchen, können bis zu 5 Stunden wöchentlich im häuslichen Bereich unterrichtet werden. Zur Zeit erhalten zwei Schüler der Einrichtung Hausunterricht. In enger Zusammenarbeit mit den Eltern, Krankengymnasten und weiteren Therapeuten wird ein individueller Förderplan erarbeitet. Er umfasst z.B. Wahrnehmungsförderung, Elemente aus der sensorischen Integration, basale Stimulation und Kommunikation, motopädagogische Angebote etc. Ziel des Hausunterrichtes ist es, den Schülern schrittweise die Integration in eine Klassengemeinschaft und somit in das Schulleben zu ermöglichen.