Kommunikation

Förderung von Schülern, die sich nicht oder nicht hinreichend durch Lautsprache verständlich machen können

An unserer Schule gibt es einen großen Anteil von Schülern, die gar nicht sprechen können, die kaum sprechen, weil sie nur einen sehr kleinen aktiven Wortschatz haben, oder deren Sprache sehr schwer verständlich ist, so dass sie nur von vertrauten Personen – wenn überhaupt – verstanden werden. Nach einer internen Umfrage im September 2005 betrifft dies 92 Schüler des Johannes-Falk-Hauses.
Mit der Kommunikationsförderung dieser Schüler beschäftigt sich die so genannte Unterstützte Kommunikation (UK).

 

Was bedeutet Unterstützte Kommunikation?

Es ist unerheblich, ob die Schüler dauerhaft in ihrer Sprechfähigkeit eingeschränkt sind oder ob sie das Sprechen vielleicht doch noch erlernen werden. Gelungene Kommunikation ist ein menschliches Grundbedürfnis. Wenn ein Kind überwiegend die Erfahrung macht, nicht verstanden zu werden, so hat dies negative Folgen für seine Entwicklung, bis hin zur Entstehung von auffälligem Verhalten.
Ziel der Förderung ist es, den Schülern ergänzende oder alternative Möglichkeiten an die Hand zu geben und Strategien zu vermitteln, mit deren Hilfe sie sich verständlich machen können. Alternative oder ergänzende Kommunikationsmöglichkeiten sind

  • körpereigene Kommunikationsformen, wie z.B. Nicken und Kopfschütteln, Blicke, Gesten, aber auch standardisierte Gebärden aus der deutschen Gebärdensprache
  • externe Kommunikationsmittel, wie z.B. Objekte, Fotokarten, Symboltafeln und Kommunikationsbücher, einfache elektronische Hilfsmittel oder komplexe „Talker“ (Sprechcomputer).

Konkret geht es darum, dem jeweiligen Schüler zu einem individuellen Kommunikationssystem zu verhelfen, das aus verschiedenen der genannten Mittel bestehen kann. So verlangt ein Schüler „Wurst“ am Frühstückstisch der Klasse vielleicht mit Hilfe einer Gebärde. An der Supermarkttheke „spricht“ er „Bitte vier Scheiben Salami“ mit Hilfe eines elektronischen Gerätes, da die Verkäuferin die Gebärde für Wurst vermutlich nicht kennt.

Unterstützte Kommunikation setzt aber nicht erst bei den Schülern an, die bereits Bedürfnisse gezielt vermitteln wollen und denen lediglich die Lautsprache fehlt. Auch Schüler, die noch nicht gelernt haben, dass sie durch ihre Handlungen bzw. durch Kommunikation ihre Umwelt gezielt beeinflussen können, werden gefördert eben dieses zu lernen. Unterstützte Kommunikation ist somit voraussetzungslos und ein wichtiger Förderbereich gerade auch für so genannte schwerst mehrfach behinderte Kinder.

 

Wie steht es um Unterstützte Kommunikation im JFH?

Seit Anfang 2003 beschäftigt sich im Johannes-Falk-Haus eine Arbeitsgruppe bzw. später eine Fachkonferenz damit, wie die Förderung Unterstützter Kommunikation in der Schule verbessert werden kann. Unsere Zielvorstellung orientiert sich an einem Konzept des Arbeitskreises Unterstützte Kommunikation an Schulen für Geistigbehinderte, das weiter unten dargestellt ist.

Es gibt in unserer Schule derzeit pro Stufe eine Koordinatorin für Unterstützte Kommunikation. Zwei dieser Koordinatorinnen nehmen regelmäßig an den Sitzungen des regionalen Arbeitskreises teil. Aufgaben der UK-Koordinatorinnen finden sich im Diagramm beschrieben. Jede dieser Kolleginnen hat pro Woche eine Schulstunde speziell für Unterstützte Kommunikation zur Verfügung. Diese (kurze) Zeit wird vornehmlich zur Beratung von Kolleginnen genutzt, aber auch für kleine interne Fortbildungen (z.B. Umgang mit einem wichtigen Computerprogramm, Gebärdentraining). Die Schule hat aus Spendengeldern einen kleinen Pool von einfachen elektronischen Hilfsmitteln angeschafft (Bigmac, Step-by-Step-Communicator, Gotalk, Powerlink), die den Klassen lang- oder kurzfristig ausgeliehen werden. Gebärdenlexika der Deutschen Gebärdensprache sind unsere Nachschlagewerke für die Arbeit mit Gebärden. Als Symbolsammlung nutzen wir PCS-Symbole, die uns als Computerprogramm „Boardmaker“ zur Verfügung stehen.

Einige unserer Schüler sind inzwischen mit eigenen elektronischen Hilfsmitteln ausgestattet. Die dazu nötigen Beratungen finden bei Bedarf unter Beteiligung von Klassenlehrern, Eltern, UK-Koordinatorin und Hilfsmittelberater in der Schule statt.

 

Woran arbeiten wir weiter?

Die Fachkonferenz berät darüber, wie das Konzept, das im Arbeitskreis entwickelt wurde, auf unsere Schule übertragen werden kann. Sie hat beschlossen, sich zunächst weiter auf den Bereich „UK-Förderung als unterrichtsimmanentes Ziel/ Kommunikationshelfer“ zu konzentrieren, weil

  • personelle Ressourcen für besondere Fördergruppen zur Zeit nicht ausreichend zur Verfügung gestellt werden können
  • Erfolge der Einzelförderung sowieso verpuffen würden, wenn UK nicht im normalen Klassenunterricht integriert wäre.

Unser Ziel soll erreicht werden durch

  • Beratung der Klassenteams durch die Koordinatorinnen:
  • in Teamgesprächen
  • durch Hospitationen im Unterricht
  • durch Begleitung eines Schülers im Unterricht
  • ggf. auch nach Beobachtungen in Einzelfördersituationen
  • Fortbildung von Kolleginnen:
  • in internen Workshops zu bestimmten Themen
  • durch Weitervermittlung an Isaac-Zertifikatskurse